Aufräumen – ein nach Zitrusreiniger duftender Teufelskreis.

Jetzt mal ehrlich: Aufräumen ist doch genau wie Joggen, Detox-Kuren oder ein Kindergeburtstag in der eigenen Wohnung: man tut so, als würde es einem rein gar nichts ausmachen, aber eigentlich ist man nur froh, wenn es vorbei ist. Ganz schnell und idealerweise ohne dass sich jemand übergeben musste.

Aber warum muss es eigentlich immer soweit kommen, dass unsere Kleiderschränke, Schubläden, Aktenstapel, Emailpostfächer und Sporttaschen in einem apokalyptischen Belagerungszustand münden? Wenn es um das Thema Ordnung halten geht – sei es im Haushalt, der Handtasche, dem Büroschreibtisch oder dem eigenen Leben – durchlaufen wir regelmäßig immer wieder die gleichen Phasen:

Die 5 Phasen der Chaosentwicklung

Phase 1 – Die Socke des Anstoßes: Es fängt so harmlos an mit einem leichtfertigen „Ich lege das nur mal eben hier hin“. Eine Socke, ein Schnipsel Papier, ein Salatschälchen, einsam und unschuldig.

Phase 2 – Die Relativitätstheorie: Im Fortlaufenden wiederholt sich Phase 1 vier bis vierundsiebzigmal. Haben wir diese Phase schließlich ausgiebig durchlebt, beginnt die Relativierung. Während sich das Geschirr inzwischen kunstvoll in der Spüle türmt, reden wir uns ein, das Ganze sei ein ausgefeiltes System und genauso von seinem Architekten beabsichtigt. Wir beruhigen uns selbst damit zu sagen „Das ist kein Chaos. Das hat System. Ich weiß genau, wo sich was befindet.“

Phase 3 – Die Ausrede: Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem der Spülturm und die Stimmung kippen. Wir wissen nicht mehr, wo sich unsere Sozialversicherungsnummer und der Kellerschlüssel befinden. Wir sehen ein, dass es Zeit wäre aufzuräumen. Doch beginnen wir nun damit, Ausreden zu suchen, warum das genau jetzt einfach völlig irrational und eigentlich auch unmenschlich wäre. In der Badewanne liegend denken wir „Ich bin so gestresst. Da will ich abends nicht auch noch aufräumen.“.

Phase 4 – Der Untergang: Der Krisenherd ist inzwischen unpassierbar und unpräsentierbar geworden. Das wissen, aber verdrängen wir ebenso wie die Frist für unsere Steuererklärung. Doch dann geschieht das unausweichliche: Besuch kündigt sich an. In der Regel in Form von Verwandten ersten Grades mit einem Hang zur Pedanterie.

Phase 5 – Der Akt: Wir räumen „mal schnell eben“ auf. Vier Stunden später ist es vollbracht und wir spüren Erleichterung, Stolz und Staub, der in der Nase kitzelt. Schnell streifen wir uns die Gummihandschuhe von den Händen und öffnen unserem Besuch nach Zitrusreiniger duftend schließlich die Tür.

Das Gastgeschenk nehmen wir sodann freudestrahlend entgegen und legen es nur mal schnell eben hier hin…

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